Crowdsourcing: wie die Masse Ideen entwickelt

 

Viele Menschen haben zusammen mehr Ideen als ein einziger. Dies ist ein einfach nachvollziehbares Prinzip. Seit jeher arbeiteten Gruppen von Menschen zusammen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Doch mit dem Internet können heute sehr viele Menschen unabhängig von Zeit und Ort erreicht werden. Es schafft die optimalen Voraussetzungen für Crowdsourcing.

Crowdsourcing setzt sich zusammen aus den beiden englischen Begriffen crowd (Menschenmenge) und outsourcing (Auslagerung). Dabei wird eine Aufgabe, die üblicherweise betriebsintern gelöst würde, ausgelagert. Der Auftrag wird aber nicht an einen oder mehrere Experten vergeben, sondern an eine Masse von unbekannten Akteuren. So kann vom Wissen, der Expertise und der Innovation der Masse profitiert werden (Schwarmintelligenz). Besondere Formen von Crowdsourcing sind Crowdtesting (die Masse testet ein Produkt, gibt Feedback und ermöglicht so eine Verbesserung des Produkts) oder Crowdfunding (die Masse figuriert als Kapitalgeber). Wie Crowdsourcing genau funktioniert, illustriert dieses Video sehr anschaulich.

Eingeführt wurde der Begriff erstmals im Jahr 2006 vom Journalist Jeff Howe im Artikel „The Rise of Crowdsourcing“. Seither hat sich Crowdsourcing in den verschiedensten Bereichen etabliert, auch in der Schweiz. So sollen nachfolgend einige Plattformen vorgestellt werden:

Atizo (Crowdsourcing)

Atizo ist eine online Brainstroming Community. Dabei lassen sich Unternehmen zu aktuellen Herausforderungen inspirieren, indem sie die Masse befragen. Die vielen kreativen Denker geben daraufhin Ideen ein, kommentieren und bewerten diese. Die besten Ideen werden am Schluss prämiert. Viele Schweizer Unternehmen vertrauen auf Atizo, beispielsweise die Migros, Rivella, oder die Postfinance. Aktuelle Projekte und ein anschauliches Video über Atizo finden sich auf der Website (Atizo AG, 2008-2014).

Wemakeit (Crowdfunding)

Wemakeit ist die grösste Schweizer Plattform für Crowdfunding. Projekte von Künstlern können finanziell unterstützt werden. Durch viele kleine Beiträge können so Ideen realisiert werden, für welche sonst das Geld fehlen würde. Als Gegenleistung erhalten die Spender eine individuelle Belohnung der Künstler (Einladungen, signierte Bücher, limitierte Editionen, etc.). Erreicht ein Projekt das Finanzierungsziel nicht, so wird die Unterstützung zurückerstattet. Seit dem Start im Februar 2012 sind bereits 653 Projekte erfolgreich finanziert worden (Wemakeit.ch GmbH, 2014).

Link: Wemakeit Blog

Passbrains (Crowdtesting)

Bei Passbrains werden Arbeitsprozesse, wie das Testen von Software an die Community ausgelagert. Die Masse testet die Qualität eines neuen Produkts und meldet entdeckte Mängel. So können diese schnell behoben werden und das Produkt innert kurzer Zeit auf den Markt gebracht werden. Die Tester werden zwar für ihre Leistung bezahlt, dennoch ist das Produkt-Rollout auf diesem Weg erheblich günstiger. Passbrains verspricht auf seiner Website eine Einsparung bei den Testkosten von 50-70% (Pass Group, 2014)

Link: Passbrains Blog

Crowdsourcing ist also die Grundlage für eParticipation-Projekte. Auch die in diesem Blog bereits vorgestellte Ideenplattform eZürich und das Projekt „Züri wie neu“ (Teil 1, Teil 2) bedienen sich der Methode Crowdsourcing und haben Erfolg damit. Zwar mögen viele Fachleute der Crowd vorwerfen, unprofessionell zu sein. Doch es lässt sich nicht abstreiten, dass die Innovationsmöglichkeiten beschränkt sind, wenn die immer gleichen Leute über die immer gleichen Dinge nachdenken. Eine Auslagerung an die Crowd ermöglicht es aus diesem Schema auszubrechen und ganz neue Wege im Bereich Ideenmanagement zu gehen.

 

Interessanter Artikel zum Thema:
Crowdsourcing: Marge mit Masse. In: Handelszeitung, 27.4.2012.

 

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