eParticipation auf Facebook – eine kleine Analyse

 

Die Sozialen Medien sind zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden. So nehmen auch das Gezwitscher mittels Twitter und die „Sich-Profilierung“ auf Facebook und anderen Sozialen Netzwerken vor den Politikern keinen Einhalt. Facebook als eines der grössten und bekanntesten elektronischen Netzwerke bietet sich deshalb an, um eine kleine Analyse vertretener Schweizer Politiker durchzuführen.

Untersucht wurden insgesamt 20 ausgewählte Nationalräte (im ungefähren Verhältnis zur Sitzanzahl der jeweiligen Partei, ebenso wurde auf den Frauenanteil geachtet), sowie die Präsidenten der Jungparteien. Dies soll einerseits zeigen, welche Parteien eher auf Facebook vertreten sind, andererseits können Vergleiche zwischen jüngeren und älteren Politikern gezogen werden. Dabei interessiert uns, wer überhaupt auf Facebook ein Profil hat und wie aktiv die Politiker sind. „Aktiv“ definieren wir in diesem Fall mit mehr oder weniger regelmässigen Postings. Gleichzeitig wurde beobachtet, ob zu den Postings eine Diskussion unter den potenziellen Wählern und den Politikern entsteht. Diese Analyse ist aber nicht repräsentativ und so können nur Vermutungen und Hypothesen aufgestellt werden. Im Rahmen dieses Blogs kann keine tiefer greifende Untersuchung gemacht werden, da dies den vorgegeben Rahmen sprengen würde.

Folgende Politiker wurden betrachtet:

Name Vorname Partei*
Brunner Toni SVP
Mörgeli Christoph SVP
Reimann Lukas SVP
Rickli Natalie SVP
Allemann Evi SP
Gross Andreas SP
Tschäppät Alexander SP
Wermuth Cédric SP
Darbellay Christophe CVP/EVP
Meier-Schatz Lucrezia CVP/EVP
Müller Leo CVP/EVP
Fiala Doris FDP
Fluri Kurt FDP
Wasserfallen Christian FDP
Gilli Yvonne Grüne
Leuenberger Ueli Grüne
Bäumle Martin GLP
Moser Tiana Angelina GLP
Grunder Hans BDP
Quadranti Stahel Rosmarie BDP
Liebrandt Anian JSVP
Molina Fabian JUSO
Ammann Jean-Pascal JCVP
Zeier Maurus JFDP
Frank** Lena JGrüne
Huber*** Felix JGLP Zürich
**** BDP

 

* Sitzanteile: in Prozent: SVP: 28,5% = 4 Profile; SP: 23% = 4 Profile; CVP/EVP: 15,5% = 3 Profile; FDP: 15% = 3 Profile; Grüne: 7,5% = 2 Profile; GLP: 6% = 2 Profile; BDP: 4,5% = 2 Profile; Frauenanteil: 31% = 7 Profile
** Co-Präsidium mit Andreas Lustenberger
*** Co-Präsidium mit Joelle Gautier; JGLP gibt es nur in den Kantonen ZH, TG und SG, es gibt keine wirkliche nationale JGLP weil die Jungen in den „normalen“ Parteien aktiv sind.
**** keine Jungpartei vorhanden

 

Resultate:

Von 20 Politikern haben 70% ein Facebook-Profil, sei dies ein privates oder eine offizielle Seite. Von den 7 untersuchten Frauen haben 5 ein Profil (71,4%). Betrachtet man die Parteien, gibt es grosse Unterschiede: Während die SVP, die Grünen und die Grünliberale Partei zu 100% auf Facebook vertreten sind, hat von der BDP keine Versuchsperson ein Profil (SVP 100%; Grüne 100%; GLP 100%; SP 80%; FDP 66,6%; CVP 33,3%; BDP 0%). Von den Jungpolitikern sind alle Präsidenten auf Facebook vertreten, allerdings gibt es keine Junge BDP und von der Jungen GLP gibt es keine nationale Jungpartei (weshalb hier der Co-Präsident der Zürcher JGLP analysiert wurde).
Praktisch alle auf Facebook vertretenen Politiker sind auch aktiv, die einen mehr, die anderen weniger. Bei zwei Politikern (Toni Brunner, SVP, und Tiana Angelina Moser, GLP), kann nicht klar gesagt werden, ob sie aktiv sind, da ihre Profile nicht vollständig öffentlich sind. Das heisst, wenn man nicht mit ihnen „befreundet“ ist, sieht man die Posts nicht. Bei Moser sieht man allerdings private Postings, die von anderen an ihre Pinnwand geschrieben wurden.

Facebook_Cedric

Facebook-Profil von Cédric Wermuth (SP), offizielle Seite (Facebook Cédric Wermuth, 2014)

 

Die Postings beschränken sich bis auf einige Ausnahmen auf aktuelle Themen und Abstimmungsvorlagen wie die Masseneinwanderungs-Initiative, die Mindeslohn- Initiative oder die Gripen-Abstimmung. Oft werden auch einfach Zeitungsberichte verlinkt. So hält zum Beispiel Christoph Mörgeli die Facebook-Gemeinschaft über die sogenannte „Mörgeli-Affäre“ mit der Universität Zürich auf dem Laufenden. Er selbst gibt aber keine persönlichen Kommentare darüber ab, sondern verlinkt nur auf die entsprechenden Berichte aus den Medien. Dies ist zum einen bedauerlich weil so kein Meinungsaustausch mit den Direktbetroffenen stattfinden kann, zum anderen ist es aber auch verständlich, dass ein Politiker eher auf offizielle Berichterstattungen (zum Beispiel mit dem Anwalt oder der Partei abgesprochen) zurückgreifen und sich nicht auf eine Facebook-Diskussion einlassen will. Denn jeder kann sich vorstellen, dass man auf Facebook schnell etwas schreibt, was man später bereut.

 

Facebook-Profil von Natalie Rickli (SVP), offizielle Seite

Facebook-Profil von Natalie Rickli (SVP), offizielle Seite (Facebook Natalie Rickli, 2014)

 

Eine richtige Diskussion zwischen Politiker und potenziellem Wähler wie wir sie im Sinne der eParticipation wünschen würden, ist bis zum Ende der Untersuchung (Mitte April 2014) praktisch nie entstanden. Die Facebook- Gemeinschaft kommentiert oft die Postings der Politiker und es entstehen durchaus kleine Debatten unter den Kommentatoren, aber nicht mit den Politikern. Auffällig erscheint den Autoren dieses Blogs allerdings, dass vor allem aus bürgerlichen Kreisen die Kommentare schnell und oft in persönliche Angriffe und bösartige Unterstellungen anderer Kommentatoren umschwenken. Zum Beispiel: „Mike Shiva käme auf bessere Resultate. Mich würde interessieren, mit wem von der SRG-Chefetage der [Claude Longchamp, Anm. der Autorin] ins Bett geht, dass ihm überhaupt noch Sendezeit gewidmet wird…“(M.A.B. bei Lukas Reimann, 2014, zu einem Link zur NZZ am Sonntag „Stimmfaule Jugend? Ganz im Gegenteil!“).

 

Facebook-Kommentare (Facebook Lukas Reimann, 2014)

Facebook-Kommentare (Facebook Lukas Reimann, 2014)

 

So kann eine objektive und gute Diskussion natürlich nicht entstehen. Im Allgemeinen hat es bei den bürgerlichen Parteimitgliedern zu einem Posting viel mehr Kommentare als bei den linken: Wo es beispielsweise bei Lukas Reimann (SVP) bis zu mehr als 60 Kommentare geben kann, gibt es bei Cédric Wermuth (SP) unter 10, und er ist praktisch der einzige Linkspolitiker, auf wessen Profil man überhaupt Kommentare findet.

Bei den Jungpolitikern sieht es ähnlich aus, was die Postings selbst betrifft. Auch hier stehen meistens aktuelle Themen und Abstimmungsvorlagen im Mittelpunkt. Unterschiede gibt es unter anderem bei den Diskussionen. Diese entstehen, auch unter den Kommentatoren, nur in seltenen Fällen. Der Präsident der Jungen FDP, Maurus Zeier, und die Co-Präsidentin der Jungen Grünen, Lena Frank, geben den Kommentaren auf ihrer Pinnwand eine Antwort. Eine richtige Diskussion ist das zwar auch nicht, aber immerhin ein kurzer Dialog. Bösartige Kommentare wie jene bei den älteren, bürgerlichen Kommentatoren kommen ebenfalls nicht vor. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass bei den Jungen die Facebook-Gemeinschaft die Beiträge der Jungpolitiker eher „liken“ oder teilen anstatt kommentieren.

Wie bereits erwähnt ist diese Untersuchung nicht repräsentativ, aber dennoch gibt sie uns natürlich die Möglichkeit, Vermutungen anzustellen und Fragen aufzuwerfen, die in einer tieferen Analyse beantwortet werden könnten.
Eine zentrale Frage, die während dieser kleinen Analyse aufgekommen ist, ist, weshalb die Jungen vermehrt „liken“ und teilen anstatt selbst kommentieren und online mitdiskutieren. Es hiess lange, die Sozialen Medien, allen voran Facebook, seien Kommunikationsmittel und Instrumente der jüngeren Generation. Bei dieser Untersuchung allerdings sind es mit Abstand vermehrt die älteren Generationen die aktiv auf Facebook sind. Haben die Jungen Respekt vor den digitalen Netzwerken? Sind sie vorsichtiger geworden nach dem NSA- Skandal, der Edward Snowden aufgedeckt hat? Oder wollen sie ganz einfach lieber „in echt“ zusammensitzen und diskutieren?
Weiter könnte man der Frage nachgehen, weshalb vermehrt die Bürgerlichen Beiträge kommentieren. Hat es etwas mit dem Bildungsniveau zu tun? Scheuen sie das Datenschutzthema weniger? Sind den Linken die sinnlosen Beleidigungen mancher User schlicht zu dumm oder benutzen sie einfach eher andere Soziale Netzwerke wie Twitter?

Um all diese Fragen beantworten zu können, wäre eine ausgiebige Untersuchung zur Social Media- Nutzung mit Fokus auf die politischen Aktivitäten der Bürger und Politiker nötig. In Bezug auf die Möglichkeiten der eParticipation auf Facebook lässt sich nach dieser kleinen Analyse der Facebook-Profile ausgewählter Politiker aber folgendes sagen:
Die Mehrheit der untersuchten Politiker hat auf Facebook zwar ein Profil und verbreitet auch aktiv politische Nachrichten. Die Politiker selbst sprechen aber nur in den wenigsten Fällen direkt mit ihren potenziellen Wählern. So wird Facebook nicht im Sinne von eParticipation verwendet. Der Bürger hat zwar die Möglichkeit, den Politiker direkt anzusprechen, die Chance auf eine direkte und persönliche Rückmeldung ist aber verschwindend gering.

 

Hier finden Sie eine Übersichtstabelle zu allen untersuchten Politikern:

Untersuchte_Politiker

 

Nachtrag: Was der Tages Anzeiger am 13. Juni 2014 zum Thema eDemocracy auf Facebook sagt, lesen Sie hier.

 

 

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3 Kommentare zu “eParticipation auf Facebook – eine kleine Analyse

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