Das „e“ und die Demokratie: Chancen und Risiken

 

Wenn wir uns mit eDemokratie befassen wollen, ist es nicht nur wichtig den Begriff richtig einordnen zu können und seine Ausprägungen zu verstehen (vgl. Blogbeitrag „Begriffe und Definitionen: eine Auslegeordnung“). Nur wenn wir auch dem Begriff selbst auf den Grund gehen, können wir eDemokratie ganzheitlich begreifen.

Etymologisch setzt sich der Begriff Demokratie aus den beiden griechischen Wörtern „demos“ (Volk) und „kratos“ (Kraft, Macht, Gewalt, Herrschaft) zusammen. Demokratie als politisches System zeichnet sich demnach als „Herrschaft des Volkes“ aus. In der Schweiz kennen wir die direkte Demokratie, die es uns Bürgern erlaubt auf allen Ebenen des Staates (Gemeinde, Kanton, Bund) in Form von Volksinitiativen und Referenden direkt mitzubestimmen. Auch durch Wahlen können wir Einfluss auf die Politik unseres Landes nehmen.

Mit der Entwicklung des Internets nahm das „e“ Einzug in viele Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens: eMail, eBusiness, eBook sind nur einige Beispiele. Das „e“ bedeutet bei all diesen Begriffen „elektronisch“ und bezeichnet die auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) basierte Abwicklung/Gestaltung des damit verbundenen Begriffs.

So erfuhr auch die Demokratie durch das „e“ eine neue Ausprägung. In der eDemokratie können Menschen auf elektronischem Weg in die politischen Meinungsbildungs- und Mitbestimmungsprozesse mit einbezogen werden.

Doch welche Vor- und Nachteile kennt die eDemokratie gegenüber ihrer nichtelektronischen Ausprägung? Birgt sie echte Chancen oder überwiegen doch die Risiken, welche das „e“ bezüglich eines so wichtigen Pfeilers unserer Gesellschaft mit sich bringt?

Die Literatur nennt verschiedene Vorteile für die Demokratie. Nachfolgend seien einige davon genannt (in Anlehnung an Jäger, 2007):

  • Erhöhung der Wahl- bzw. Stimmbeteiligung: Es wird angenommen, dass durch die Möglichkeit der elektronischen Stimmabgabe mehr Menschen den Gang an die (elektronische) Urne finden.
  • Vereinfachung der politischen Beteiligung: Die Bürger können einfach, bequem und flexibel, d.h. unabhängig von Ort und Zeit mitbestimmen. Das Internet bietet ihnen einen einfachen Zugang zu Informationen für die politische Meinungs- und Entscheidungsfindung.
  • Mehr Effizienz bei Wahlen und Abstimmungen: So entfällt beispielsweise die aufwändige Stimmauszählung, für welche an jedem Abstimmungswochenende in allen Gemeinden der Schweiz zahlreiche Bürger aufgeboten werden. Die Stimmauszählung erfolgt elektronisch.
  • Transparenz der Regierungsgeschäfte: Das Internet ist ein optimales Medium für den Staat seine Bürger zu informieren. Durch die Vielzahl elektronischer Dokumente online werden Staatsgeschäfte nachvollziehbar.
  • Distanzreduktion: Die Distanz zwischen Regierten und Regierenden wird durch ein interaktives Kommunikationsnetz verringert. Es wird den Bürgern möglich ihren Anliegen ohne den Umweg über Parteien Gehör zu verschaffen.

Wie in allen politischen Fragen gibt es auch hier Stimmen von Gegnern, welche mögliche Risiken hervorheben (in Anlehnung an Jäger, 2007):

  • Digital Divide: Durch die Spaltung von Internetnutzern und –Nichtnutzern kommt es zum Ausschluss einiger Bevölkerungsgruppen wie z.B. älteren Menschen, Menschen mit geringer Schulbildung, etc.
  • Fehlende Informationskompetenz: Vielen Stimmbürgern fehlt die Fähigkeit die verfügbaren Informationen zu differenzieren und einzuordnen. Weiter fehlt es an Wissen zum Umgang mit den verschiedenen Möglichkeiten der eDemokratie.
  • Falsche Erwartungen: Eine Erhöhung der Wahl- bzw. Stimmbeteiligung ist nicht gegeben, da die Möglichkeit des elektronischen „Urnengangs“ nur von denjenigen genutzt wird, die sich ohnehin an Wahlen und Abstimmungen beteiligen.

Die Lager sind also geteilt, das Thema eDemocracy bietet viel Diskussionsstoff. An dieser Stelle möchten wir uns (noch) auf keine Seite pro oder contra eDemocracy stellen. Stattdessen erhoffen wir uns durch die Auseinandersetzung mit dem Thema in den folgenden Blogbeiträgen weitere Erkenntnisse und wollen am Schluss unseres Projekts noch einmal auf die Chancen und Risiken der eDemokratie zurückkommen. Bis dahin wünschen wir dem Leser weiterhin gute Lektüre…!

Advertisements

Ein Kommentar zu “Das „e“ und die Demokratie: Chancen und Risiken

  1. Pingback: Ein Rückblick zum Schluss | eDemocracy in der Schweiz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s