Ein Rückblick zum Schluss

 

Bereits sind wir beim Blogpost Nummer 16 angelangt. Es soll der letzte Beitrag in unserem eDemocracy Projekt werden. Somit ist es Zeit, auf die vergangenen drei Monate zurückzublicken und einige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Unser Blogprojekt startete im März 2014 mit einem Einstieg ins Thema (Auslegeordnung an Begriffen und Definitionen) und einer Reflexion über Chancen und Risiken der eDemokratie. Anschliessend folgten die einzelnen Blogbeiträge zu den beiden thematischen Strängen eVoting und eParticipation.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema eVoting in der Schweiz brachte einige aufschlussreiche Erkenntnisse zur Entwicklung von eVoting-Systemen. In der Politik und in der Gesellschaft ist es kein einfaches Unterfangen solchen neuen Möglichkeiten der Stimmabgabe Akzeptanz zu verschaffen. Besonders Bedenken bezüglich der Sicherheit der Systeme hemmen eine weite Verbreitung von eVoting (noch). In der Schweiz steckt eVoting also noch in den Kinderschuhen und der Durchsetzungsprozess benötigt viel Zeit. Dennoch sind wir überzeugt, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten lassen wird und die elektronischen Wahlsysteme immer besser werden. In einigen Jahren werden wir vermutlich zurückblicken, uns an den vielen Vorteilen von eVoting erfreuen und über die Diskussionen und Unsicherheiten aus den Anfangszeiten schmunzeln.

Die folgende Grafik aus einem Bericht der Universität Zürich zum Thema Internet und Politik in der Schweiz zeigt, dass das Internet mittlerweile eine nicht unbedeutende Rolle bei der politischen Meinungsbildung und Meinungsäusserung spielt. Besonders im Bereich der politischen Diskussionen fällt aber auf, dass die offline-Beteiligung noch sehr stark überwiegt. Offenbar haben die Menschen Bedenken, ihre Meinung im Netz preiszugeben, da das Internet nicht sicher genug ist und ausserdem nie vergisst (Universität Zürich 2013, S.9).

Grafik Fazit

Abbildung: Nutzung des Internet für politische Beteiligung (Universität Zürich 2013, S.9)

Die Studie untersuchte ausserdem den Einfluss des Internets auf Politik und Demokratie in der Schweiz. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Schweizer zeigen sich skeptisch gegenüber des Einflusses des Internets auf die Demokratie. Sie glauben nicht, dass sich die demokratische Qualität des politischen Systems durch das Internet verbessert. Nur 4-7% der Schweizer sind vom positiven Effekt des Internets überzeugt (Universität Zürich 2013, S.10-11).

Unsere Facebookanalyse kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Zwar haben die meisten untersuchten Politiker ein Profil, doch werden nur wenig persönliche Meinungen von den Politikern gepostet. Wenn, dann tun die Leser (oder potenziellen Wähler) ihre Meinung kund. Eine richtige politische Diskussion entsteht auf dem Online-Netzwerk aber nicht.

Eine kleine Analyse auf Twitter zeigt, dass auch hier keine Diskussionen im Sinne der eParticipation zustande kommen. Es scheint, dass das Potenzial von Sozialen Medien in der Politik noch nicht vollends erkannt wurde.

Erfolgreicher sind hier eParticipation-Projekte wie „Züri wie neu“ (Teil 1 / Teil 2), wo die Stadt und der Bürger zusammenarbeiten können: Der Bürger hat die Möglichkeit, der Stadt Mängel an der städtischen Infrastruktur online zu melden. Was in einer einjährigen Pilotphase sehr gut funktioniert hat. Leider ist bis zum Abschluss unseres Blog-Projekts noch immer nicht klar, ob ZWN weitergeführt werden wird.

Wir als Autorinnen dieses Blogs gehören offenbar der kleinen Minderheit an, die an das Potenzial des Internets für die Demokratie und deren Instrumente glauben. Selbstverständlich braucht es eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und noch vorhandene Mängel dürfen nicht ausser Acht gelassen werden. Doch sind wir der Meinung, dass wir langfristig von vielen Vorteilen profitieren können.

Das Ziel unseres Blogs war es, dem Leser einen Überblick über das Thema eDemocracy und dessen Teilbereiche zu verschaffen, Begriffe zu klären, Projekte vorzustellen und vor allem das Interesse des einen oder anderen an dieser spannenden Thematik zu wecken. Wir hoffen, dass uns dies gelungen ist. Die Autorinnen selbst haben während den Recherchen für die Blogbeiträge viel Neues und Spannendes entdeckt und haben dabei viel gelernt. Es wurde auch oft gelacht, besonders bei der Vorbereitung der Wahl des IGEP-Hero (vgl. Blogbeitrag vom 1.6.2014). Unser Blog hat uns also Freude bereitet und wir hoffen, dass wir diese Freude weitergeben konnten.

In diesem Sinne danken wir unseren Lesern herzlich für das Interesse!

Manuela Schumacher und Salome Zehnder

 

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eParticipation auf Twitter – gibt es einen Unterschied zu Facebook?

 

Im Laufe unseres Blogs haben wir eine kleine Analyse über Facebook gemacht. Uns interessierte, was bekannte Schweizer Politiker auf ihre Profile posten und vor allem, ob zwischen ihnen und ihren potenziellen Wählern Diskussionen im Sinne der eParticipation entstehen. Also, ob ein kommunikativer Austausch zwischen Politiker und Bürger entsteht oder ob nur einseitige Kommunikation stattfindet.

Im Laufe dieser kleinen Analyse trat die Frage auf, ob es möglicherweise mit dem anderen grossen Online-Netzwerk Twitter anders aussieht. Sind gleich viele Politiker auf Twitter vertreten? Sind sie aktiver? Gibt es einen Unterschied bezüglich der veröffentlichten Inhalte? Aber vor allem: wie sieht es hier mit Diskussionen zwischen Politiker und Bürger aus? Wir vermuteten, dass Facebook gerade bei den Jungen nicht mehr extrem populär ist, dass Twitter ein grösseres Publikum ansprechen würde und so auch vermehrt Diskussionen entstehen.

Also untersuchten wir auch das Twitter-Verhalten der Politiker. Um die beiden Analysen einfacher vergleichen zu können, wurden dieselben Politiker untersucht. Allerdings fiel das Ergebnis wider Erwarten aus: Nur 9 der 20 Nationalräte haben ein Twitterprofil:
Von der SVP haben drei der Untersuchten ein Profil (=75%), von der SP zwei (=50%), der CVP und der FDP je einer (= je 33,3%), von den Grünen zwei (=100%) und von der GLP und der BDP keiner. Beide Grünen Politiker sind aber so inaktiv, dass sie für die Auswertung nicht relevant sind. Zu Vergleichen hatten wir also nur 7 Profile.

Name Vorname Partei*
Brunner Toni SVP
Mörgeli Christoph SVP
Reimann Lukas SVP
Rickli Natalie SVP
Allemann Evi SP
Gross Andreas SP
Tschäppät Alexander SP
Wermuth Cédric SP
Darbellay Christophe CVP/EVP
Meier-Schatz Lucrezia CVP/EVP
Müller Leo CVP/EVP
Fiala Doris FDP
Fluri Kurt FDP
Wasserfallen Christian FDP
Gilli Yvonne Grüne
Leuenberger Ueli Grüne
Bäumle Martin GLP
Moser Tiana Angelina GLP
Grunder Hans BDP
Quadranti Stahel Rosmarie BDP
Liebrand Anian JSVP
Molina Fabian JUSO
Ammann Jean-Pascal JCVP
Zeier Maurus JFDP
Frank** Lena JGrüne
Huber*** Felix JGLP Zürich
****   BDP

* Sitzanteile: in Prozent: SVP: 28,5% = 4 Profile; SP: 23% = 4 Profile; CVP/EVP: 15,5% = 3 Profile; FDP: 15% = 3 Profile; Grüne: 7,5% = 2 Profile; GLP: 6% = 2 Profile; BDP: 4,5% = 2 Profile; Frauenanteil: 31% = 7 Profile
** Co-Präsidium mit Andreas Lustenberger
*** Co-Präsidium mit Joelle Gautier; JGLP gibt es nur in den Kantonen ZH, TG und SG, es gibt keine wirkliche nationale JGLP weil die Jungen in den „normalen“ Parteien aktiv sind.
**** keine Jungpartei vorhanden

Fünf von diesen sieben Politikern sind sehr aktiv. Das heisst, sie veröffentlichen zwischen 3 und 10 Tweets pro Woche, was ein sehr grosser Unterschied zu ihrer Anzahl an Postingbeiträgen auf Facebook ist. Der gepostete Inhalt unterscheidet sich von den Facebook-Inhalten insofern, dass die Themen-Spannweite viel breiter ist. Oft gibt es auch private Tweets.
Die Anzahl Antworten, wie die Kommentare bei Twitter heissen, sind so unterschiedlich, dass sie unter angemessenem Aufwand nicht zu vergleichen sind.
Bei Twitter gibt es ausserdem die Möglichkeit des ReTweet. Dies ist vergleichbar mit dem „teilen“ auf Facebook. Einerseits retweeten die Politiker selbst Tweets von anderen Twitterern, oder andere retweeten einen Tweet des Politikers. Auch hier ist die Anzahl sehr unterschiedlich. Auffallend ist jedoch, dass je öfter ein Politiker-Tweet von jemand anderem retweeted wurde, desto öfter gibt es auch Antworten zum entsprechenden Tweet.

 

Twitter_Cedric

Twitter-Profil von Cédric Wermuth (SP) mit Tweets und Retweet (Twitter, 2014)

 

Ganz allgemein wird aber viel weniger auf Twitter geantwortet als auf Facebook kommentiert. Deshalb sind auch die Atmosphäre und die Sprache viel angenehmer und weniger aggressiv als auf Facebook.
Bei den Jungparteien sieht es ähnlich aus wie bei Facebook. Alle haben zwar ein Profil, aber es sind nicht alle aktiv. So ist zum Beispiel JSVP-Präsident Anian Liebrand seit 2012 nicht mehr aktiv und Jean-Pascal Amman fast nicht aktiv, so dass auch er für die Analyse nicht relevant ist. Die verbleibenden vier Jungpolitiker sind dafür alle sehr aktiv am twittern. Maurus Zeier von der JFDP twittert von allen 26 Politikern mit Abstand am meisten und schafft es durchschnittlich auf 27 Tweets pro Woche!
Der Inhalt ist wie bei den älteren Politikern viel breiter gefächert als bei Facebook, doch zeichnet sich auch hier kein vermehrtes Antwortverhalten seitens der Follower auf und somit auch keine angeregten Diskussionen.

Twitter scheint also bei einzelnen Politikern ein sehr beliebtes Kommunikationsmittel zu sein. Vor allem bei den Jungpräsidenten zeigt sich, dass sie vermehrt auf Twitter aktiv sind, denn auf Facebook. Es wäre interessant herauszufinden, weshalb Twitter beliebter ist. Vielleicht macht Twitter einen erwachseneren Eindruck als Facebook, aber das ist nur eine Hypothese.
Durch die wenigen Antworten entfachen sich auch bei Twitter keine Diskussionen im Sinne der eParticipation. Dadurch zeigt sich, dass auch das Potenzial von Twitter von den Politikern nicht in dem Masse ausgeschöpft wird, das möglich wäre.

Crowdsourcing: wie die Masse Ideen entwickelt

 

Viele Menschen haben zusammen mehr Ideen als ein einziger. Dies ist ein einfach nachvollziehbares Prinzip. Seit jeher arbeiteten Gruppen von Menschen zusammen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Doch mit dem Internet können heute sehr viele Menschen unabhängig von Zeit und Ort erreicht werden. Es schafft die optimalen Voraussetzungen für Crowdsourcing.

Crowdsourcing setzt sich zusammen aus den beiden englischen Begriffen crowd (Menschenmenge) und outsourcing (Auslagerung). Dabei wird eine Aufgabe, die üblicherweise betriebsintern gelöst würde, ausgelagert. Der Auftrag wird aber nicht an einen oder mehrere Experten vergeben, sondern an eine Masse von unbekannten Akteuren. So kann vom Wissen, der Expertise und der Innovation der Masse profitiert werden (Schwarmintelligenz). Besondere Formen von Crowdsourcing sind Crowdtesting (die Masse testet ein Produkt, gibt Feedback und ermöglicht so eine Verbesserung des Produkts) oder Crowdfunding (die Masse figuriert als Kapitalgeber). Wie Crowdsourcing genau funktioniert, illustriert dieses Video sehr anschaulich.

Eingeführt wurde der Begriff erstmals im Jahr 2006 vom Journalist Jeff Howe im Artikel „The Rise of Crowdsourcing“. Seither hat sich Crowdsourcing in den verschiedensten Bereichen etabliert, auch in der Schweiz. So sollen nachfolgend einige Plattformen vorgestellt werden:

Atizo (Crowdsourcing)

Atizo ist eine online Brainstroming Community. Dabei lassen sich Unternehmen zu aktuellen Herausforderungen inspirieren, indem sie die Masse befragen. Die vielen kreativen Denker geben daraufhin Ideen ein, kommentieren und bewerten diese. Die besten Ideen werden am Schluss prämiert. Viele Schweizer Unternehmen vertrauen auf Atizo, beispielsweise die Migros, Rivella, oder die Postfinance. Aktuelle Projekte und ein anschauliches Video über Atizo finden sich auf der Website (Atizo AG, 2008-2014).

Wemakeit (Crowdfunding)

Wemakeit ist die grösste Schweizer Plattform für Crowdfunding. Projekte von Künstlern können finanziell unterstützt werden. Durch viele kleine Beiträge können so Ideen realisiert werden, für welche sonst das Geld fehlen würde. Als Gegenleistung erhalten die Spender eine individuelle Belohnung der Künstler (Einladungen, signierte Bücher, limitierte Editionen, etc.). Erreicht ein Projekt das Finanzierungsziel nicht, so wird die Unterstützung zurückerstattet. Seit dem Start im Februar 2012 sind bereits 653 Projekte erfolgreich finanziert worden (Wemakeit.ch GmbH, 2014).

Link: Wemakeit Blog

Passbrains (Crowdtesting)

Bei Passbrains werden Arbeitsprozesse, wie das Testen von Software an die Community ausgelagert. Die Masse testet die Qualität eines neuen Produkts und meldet entdeckte Mängel. So können diese schnell behoben werden und das Produkt innert kurzer Zeit auf den Markt gebracht werden. Die Tester werden zwar für ihre Leistung bezahlt, dennoch ist das Produkt-Rollout auf diesem Weg erheblich günstiger. Passbrains verspricht auf seiner Website eine Einsparung bei den Testkosten von 50-70% (Pass Group, 2014)

Link: Passbrains Blog

Crowdsourcing ist also die Grundlage für eParticipation-Projekte. Auch die in diesem Blog bereits vorgestellte Ideenplattform eZürich und das Projekt „Züri wie neu“ (Teil 1, Teil 2) bedienen sich der Methode Crowdsourcing und haben Erfolg damit. Zwar mögen viele Fachleute der Crowd vorwerfen, unprofessionell zu sein. Doch es lässt sich nicht abstreiten, dass die Innovationsmöglichkeiten beschränkt sind, wenn die immer gleichen Leute über die immer gleichen Dinge nachdenken. Eine Auslagerung an die Crowd ermöglicht es aus diesem Schema auszubrechen und ganz neue Wege im Bereich Ideenmanagement zu gehen.

 

Interessanter Artikel zum Thema:
Crowdsourcing: Marge mit Masse. In: Handelszeitung, 27.4.2012.

 

Unser IGEP-Hero – eine fiktive Wahl als Anschauungsbeispiel

 

Wie im ersten Beitrag erwähnt, führen wir diesen Blog als Leistungsnachweis für unser Fachhochschul-Studium an der HTW Chur. Zum Leistungsnachweis gehört auch, dass wir zu unserem Blogthema eDemocracy eine Schulungseinheit für unsere Kommilitonen durchführen.

Ziel war es, den Studierenden in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit einen möglichst breiten Einblick in die Themen unseres Blogs zu geben. Sie würden zwar nicht die Möglichkeit haben sich umfassend zu informieren, doch könnten sie sich von ihren Interessen leiten lassen und einzelne Aspekte näher kennenlernen.

Schnell hatten wir die Idee, dass eine Wahl durchgeführt werden sollte. Also sammelten wir Ideen, wie wir die Instrumente der eDemocracy bei einer Wahl einbinden konnten.

Da wir keine Politiker einladen wollten, erschufen wir zwei fiktive Kandidaten: Sina Momo Ligerhans uns Hans-Erni Willisegger. Wir gaben ihnen Hobbies, Familienhintergründe und Interessen und kreierten ihre ganze berufliche und politische Laufbahn. Auch die Parteien, die Partei für Soziale Demokratie PSD und die Demokratisch-Liberale Partei DLP, erfanden wir für sie. Um den Politikern ein Gesicht zu geben verkleideten wir uns mit Perücke und Halstuch, resp. mit Hemd, Hut und Schlips.

 

SML_FBProfil

Facebook-Profil von Sina Momo Ligerhans (FB, 2014)

 

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Facebook-Profil von Hans-Erni Willisegger (FB, 2014)

 

Da wir während des Bloggens echte Politiker auf Facebook untersuchten, wollten wir auch unsere fiktiven Kandidaten auf Facebook vertreten haben. Ausserdem eignete sich diese Social Media Plattform gut dafür, dass sich die Wähler (unsere Kommilitonen) über die Kandidaten informieren und sich im Sinne der eDemocracy mit ihnen unterhalten konnten.

Natürlich brauchte es eine Zeitung, die über die Politiker und den Wahlkampf berichtet. So erschufen wir Quick-Online auf Facebook. Quick-Online berichtete während des Wahlkampfs über ein fiktiv stattgefundenes Podiumsgespräch über Atomkraftwerke oder eine Affäre zwischen Sina Momo Ligerhans und Hans-Erni Willisegger’s Sohn Beat.

 

Quick_FBProfil

Quick-Online Facebook-Seite (FB, 2014)

 

Quick-Online Berichterstattung (FB, 2014)

Quick-Online Berichterstattung (FB, 2014)

 

Damit die Zeitung über das Podiumsgespräch berichten konnte, brauchten wir natürlich einen Inhalt des Gesprächs. Das Kunst- und Literaturkollektiv Konverter diskutierte für uns freundlicherweise während gut 10 Minuten angeregt und mit schlagenden Argumenten über AKWs, während wir das Gespräch aufzeichneten.

Während der Schulungseinheit füllten wir die eigens dafür erstellten Facebook-Profile der Politiker mit Informationen zum Thema eDemocracy, um den Kommilitonen so das Thema näher zu bringen. Ausserdem recherchierten wir in den echten Medien Berichte, die zu den jeweiligen Themen der Politiker passten und verlinkten sie auf deren Profil. Mit den Links posteten wir jeweils auch einen Kommentar der Politiker. So postet Sina Momo Ligerhans zum Beispiel den Link zu eZürich, über welches wir auch in unserem Blog berichten, mit dem Kommentar: „Wollt ihr Zürich verändern? Es ist alles möglich – man muss es sich nur vorstellen können.“

 

Postings von Sina Momo Ligerhans (FB, 2014)

Postings von Sina Momo Ligerhans (FB, 2014)

 

Als Adaption von Smartvote erstellten wir eine Online-Umfrage „clevervote“ via Findmind.ch: Wir stellten 10 Fragen, die die Politiker im Vorhinein und die Wähler während der Schulungseinheit beantworten konnten. Die Antworten der Wähler wurden „live“ mit den Antworten der Politiker verglichen. So konnte eine Wahlempfehlung ausgestellt werden.

Am Ende der verfügbaren Zeit wählten die Kommilitonen über Doodle elektronisch im Sinne von eVoting ihren Favoriten.

Bei der Gestaltung der Schulung haben wir uns auf glattes Eis hinausgewagt. Es war schwierig einzuschätzen, wie unsere Kommilitonen darauf reagieren würden, ob sie aktiv mitarbeiten werden, etc. Eine Rückmeldung einer Studierenden war denn auch durchaus berechtigt: In der kurzen Zeit war es nicht möglich, all die angebotenen Inhalte genau zu studieren. Interessant wäre es auch gewesen, mit den Schulungsteilnehmern über ihr Verhalten während der Schulung zu sprechen. Also herauszufinden, weshalb sie was „geliked“ oder kommentiert haben oder eben nicht. Doch dafür blieb leider einfach keine Zeit. Für die gesamte Übung hätten wir also durchaus auch zwei Lektionen füllen können.

Alles in Allem kann eine gelungene Übung mit grossem Unterhaltungswert verzeichnet werden. Es hat sich gelohnt, so viel Zeit und Aufwand in diese Schulungseinheit zu stecken und wir hoffen, dass wir damit das Interesse des einen oder anderen geweckt haben, sich im Anschluss an die Schulung weiter mit dem Thema eDemocracy zu befassen.

Um es Ihnen nicht vor zu enthalten: Sina Momo Ligerhans hat die Wahl zum IGEP-Hero mit 12 zu 2 Stimmen und 3 Enthaltungen bei einer Wahlbeteiligung von 100% klar gewonnen!

 

Quick-Online Wahlergebnis-berichterstattung (FB, 2014)

Quick-Online Wahlergebnis-berichterstattung (FB, 2014)

 

Hier noch ein erster Kommentar zu unserer Schulung von unserem Dozenten Hans-Dieter Zimmermann.

 

„Züri wie neu“ – ein eParticipation-Projekt der Stadt Zürich – Teil 2

 

Im ersten Teil zu „Züri wie neu“ (ZWN) berichteten wir, wie das Projekt entstanden ist und um was es dabei geht. In diesem zweiten Teil wollen wir darüber informieren, wer am Projekt mitarbeitet und einen Blick auf den Inhalt des Projekts werfen, also auf die Meldungen, die eingegangen sind.

Wer arbeitet an ZWN mit?

Nebst all den Bürgern, die die Meldungen machen, arbeiten verschiedene Gruppen an ZWN. Zum einen ist dies die Projektgruppe selbst, welche aus 2 Projektleitern und 12 Teammitarbeitern besteht. Insgesamt arbeiten 48 Personen im Backoffice. Diese leiten die diversen Meldungen an die Monteure, Werkhöfe, Grünflächenverwalter, Graffitireinigungsteams, Forstwarte, Spielplatzbeauftrage und Reinigungsleute weiter (Sgier, 2014).

Die Meldungen

Zu Beginn des Projekts, als auch noch Werbung gemacht wurde, gingen viel mehr Meldungen ein, als gegen Ende des Projektjahres. Waren es in den ersten Monaten bis zu 700 pro Monat, gingen gegen Ende durchschnittlich 150 Meldungen ein (Sgier, 2014).

Mike Sgier, Kommunikationsbeauftragter vom Tiefbau- und Entsorgungsdepartement sagt: „In der Anfangsphase gingen grossmehrheitlich Meldungen (400) zu Schäden an der Strasseninfrastruktur ein (klar, es war ein harter Winter (Winter 12 – 13) und es gab entsprechend viele frostbedingte Löcher im Belag).“ Danach folgten Meldungen über Abfall (100), Beleuchtung (50), Tiere/Grünflächen (35) und Spielplätze/Sitzbänke (20). Über das ganze Jahr hinweg lagen Meldungen zur Strassen-Infrastruktur mit durchschnittlich 50 Meldungen pro Monat an erster Stelle. Alle anderen Kategorien pendelten sich zwischen 0 und 25 Meldungen pro Monat ein (Sgier, 2014).

 

ZWN_Meldungen

Grün= Meldung beantwortet; Gelb = Meldung in Bearbeitung; Rot = Meldung erfasst (ZWN, 2013)

 

Problemstellungen

Nicht alle Meldungen waren einfach zu bearbeiten. Viele Meldungen betrafen nicht Mängel oder Schäden an der Infrastruktur, die man mehr oder weniger einfach reparieren konnte (wie ein Loch im Strassenbelag), sondern Unzufriedenheiten mit der Infrastruktur selbst. „Das kann ein Veloweg sein, der auf Grund lokaler Gegebenheiten plötzlich abbricht oder Parkplätze, die als zu schmal angesehen werden“ (Sgier, 2014).

 

Meldung

Meldung, die keinen Schaden an der Infrastruktur betrifft (ZWN, 2013)

 

Problematisch war es auch, wenn am Smartphone die GPS-Funktion nicht eingeschaltet war oder auf dem Foto zwar der Schaden festgehalten war, nicht aber der Standort. So führte die Lokalisation der Schäden oft zu einem grösseren Aufwand. Oftmals gingen Mängel mehrfach ein, und „die Annahme, dass aufgrund des neuen Tools bisherige Meldungen, die über E-Mail oder Telefon hereinkamen, wegfallen würden, erwies sich als falsch“ (op.cit.).

Zukunft

Ob „Züri wie neu“ weitergeführt wird, wird in den kommenden Tagen oder Wochen entschieden, denn zur Zeit findet intern die Evaluation des Pilotprojekts statt. Unser persönliches Urteil zum Projekt fällt positiv aus – es ist im Sinne der eParticipation ein guter Kommunikationskanal zwischen den Bürgern und den Ämtern, um den gemeinsamen Lebensraum schöner und zweckmässiger zu gestalten und die gute Infrastruktur zu bewahren. Wir hoffen, dass die Stadt dies ebenso sieht und das Projekt weiterführen wird. Täte sie dies nicht, würde dies unserer Ansicht nach einen Rückschritt in der Strategie von eZürich bedeuten. Falls „Zürich wie neu“ aber nicht so weitergeführt werden kann, aus welchen Gründen auch immer, sollten andere Formen der Bürgerbeteiligung bei Schadensmeldungen in Erwägung gezogen werden. Zürich sollte auf dem „eWeg“ bleiben, denn dies ist der Weg der Zukunft.

 

 

 

Hinweis:

Mike Sgier, der Kommunikationsbeauftrage des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt Zürich, war so freundlich, uns einen etwas tieferen Einblick in ZWN zu geben und beantwortete uns per E-Mail alle Fragen, die wir hatten.

„Züri wie neu“ – ein eParticipation-Projekt der Stadt Zürich – Teil 1

 

Hat jemand Ihre Hausfassade versprayt? Ist Ihre Strasse voller Schlaglöcher? Fehlt ein Velowegweiser? Oder ist Ihr Ticketautomat an der Bushaltestelle defekt? Für solche und andere Infrastruktur-Probleme lancierte eZürich im Jahr 2012 das Pilotprojekt „Zürich wie neu“ (ZWN).Entstanden ist das Projekt, nachdem die Idee „Mobile Crowdsourcing – Stadtbevölkerung hilft der Stadtverwaltung beim Aufdecken von Mängel und Schäden an der städtischen Infrastruktur über eine iPhone-Applikation / Online Plattform“ beim Ideenwettbewerb von eZürich im Jahr 2010 auf Platz 16 gewählt wurde (eZürich, 2014). Viele ähnliche Ideen wurden ebenfalls eingereicht, und so wurde die Grundidee von „Fix my Street“, welche in anderen Ländern schon etabliert ist (zum Beispiel in England), als eine der Siegerideen umgesetzt.Im April 2013 wurde die Website www.zueriwieneu.ch aufgeschaltet und das Mobile-App als einjähriges Pilotprojekt in Betrieb genommen. Diese erste Phase ist vor einem Monat abgelaufen. Noch ist die Website freigeschaltet, doch es ist noch nicht öffentlich kommuniziert, ob ZWN weitergeführt wird.

Wie funktioniert „Züri wie neu“?

Wenn einem Bürger ein Mangel an der Zürcher Infrastruktur auffällt, kann er dies via Smartphone-App oder über die Website rapportieren. Vom Smartphone aus wird per GPS der genaue Standort übermittelt, bei der Website muss der Ort auf der Stadtkarte so genau wie möglich angegeben werden.

 

ZWN_Hubertus

Ansicht bei einer Meldung (ZWN, 2013; Bild vom Mai 2014)

 

In einem Beschreibungsfeld kann das Problem genau beschrieben werden. Ausserdem können Fotos hochgeladen werden.Jede Meldung muss einer Kategorie zugeordnet werden, anhand welcher das Team hinter ZWN weiss, an welche Stelle es die Meldung weiterleiten muss (Sgier, 2014). Kategorien sind:

  • Abfall / Sammelstelle
  • Beleuchtung / Uhren
  • Graffiti
  • Signalisation / Lichtsignal
  • Spielplatz / Sitzbank
  • Strasse / Trottoir / Platz
  • Tiere / Grünflächen

 

Wird eine falsche Kategorie gewählt, wird die Meldung trotzdem an die richtige Stelle weitergeleitet, auch an externe Stellen wie die SBB. Innerhalb 5 Tagen wird die Meldung von ZWN erfasst und bearbeitet. Bearbeitet heisst aber nicht, dass das Problem behoben wird, sondern dass er erkannt und an der richtigen Stelle gemeldet ist. Ein solches Beispiel ist etwa, dass ein Strassenbelag im Winter nicht repariert werden kann, da er wegen der Kälte sonst wieder abblättern würde (op.cit.).

Die Software im Hintergrund

„Züri wie neu“ wird durch die Open Source Software „fixmystreet“ von der britischen NGO mySociety betrieben. mySociety wurde als Partner gewählt, „da sie bereits mehrjährige Erfahrung in dieser Branche haben, sowohl Apps als auch eine (mobile) Webseite anbieten und zudem das in unseren Augen intuitivste Tool anbieten“ (Brunner, 2014).

Die Software für die eigene Stadt in Betrieb zu nehmen ist sehr einfach in einem 5-Punkte Programm möglich: Team bestimmen, Software installieren (manuell oder mit Hilfe durch das Supportteam von mySociety), Daten wie Landkarte, E-Mails etc. bereitstellen, die Oberfläche nach den eigenen Bedürfnissen ausrichten (Sprache, Design, Text etc.) und zu guter Letzt online gehen (mySociety, [2014]).

 

« mySociety is a British NGO that was set up by a group of

politically knowledgeable computer experts. mySociety’s

mission is to help people become more powerful in the civic

and democratic parts of their lives, through digital means. »

mySociety, [2014]

 

Soviel zum Aufbau und der Struktur von „Züri wie neu“. Lesen Sie im zweiten Teil, wer am Projekt beteiligt ist und welche Meldungen eingegangen sind.

 

Hier gehts zum Teil 2.

 

 

 

Hinweis:

Mike Sgier, der Kommunikationsbeauftrage des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt Zürich, war so freundlich, uns einen etwas tieferen Einblick in ZWN zu geben und beantwortete uns per E-Mail alle Fragen, die wir hatten. Fragen zur IT (Software im Hintergrund) beantwortete uns Tobias Brunner von der Abteilung Geomatik + Vermessung.

 

Sicherheit und Akzeptanz oder die Angst vor Neuem

 

Die Diskussionen rund um eVoting sind oft emotional geprägte Lagerkämpfe der Befürworter und der Gegner der elektronischen Stimmabgabe. Nüchtern betrachtet geht es darum die Frage zu beantworten, ob eVoting-Systeme die nötigen Anforderungen erfüllen können oder nicht. Aus der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Bundesgesetz über die politischen Rechte ergeben sich folgende Grundprinzipien für Wahlen und Abstimmungen (herausgearbeitet durch die Berner Fachhochschule, 2010):

  • Nur berechtigte Personen dürfen stimmen.
  • Eine berechtigte Person kann maximal eine Stimme abgeben.
  • Jede korrekt abgegebene Stimme wird gezählt.
  • Die Stimme ist geheim.
  • Das Resultat bleibt bis zum Ende der Wahl oder Abstimmung geheim.

Diese Grundprinzipien lassen sich durch die traditionellen Verfahren der Stimmabgabe einfach erfüllen. Bei Abstimmungen über das Internet wird es hingegen komplizierter. Wie kann beispielsweise sichergestellt werden, dass eine Stimme von derjenigen Person abgegeben wurde, die dazu berechtigt ist (Stichwort „Family Voting“)? Oder wie kann eine Manipulation der abgegebenen Stimme verhindert werden (Stichwort Hacker)?

Wir haben in vorhergehenden Blogbeiträgen gesehen, dass eVoting in der Schweiz noch in den Kinderschuhen steckt. Viele Probleme sind noch nicht abschliessend gelöst. Doch die Entwicklung schreitet kontinuierlich voran.

Die Wahrnehmung der politischen Bürgerrechte wird gesteuert durch technische, rechtliche und politische Hürden. Doch einen signifikanten Einfluss darauf nehmen auch soziale Normen. Letztlich ist die Akzeptanz der Bürger gegenüber der Technik ein ausschlaggebender Faktor für den Erfolg eines Systems. Dass der Mensch neuen Entwicklungen zunächst skeptisch gegenüber steht, ist nichts Neues. Es lohnt sich also einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen.

Ursprünglich war das Stimmen und Wählen in der Schweiz ein öffentlicher Akt. Noch heute gibt es in Appenzell Innerrhoden und in Glarus die Landsgemeinde, bei welcher die Stimmberechtigten ihre Stimme per Handzeichen abgeben. Durch die Stimmabgabe an der Urne tat man einen ersten Schritt weg von der Öffentlichkeit. Die Meinungsäusserung bekam eine private Komponente – auch wenn repräsentative Signale (soziale Faktoren) auch hier eine wichtige Rolle spiel(t)en.

Die briefliche Stimmabgabe war zwar seit 1966 für Menschen zugelassen, denen es nicht möglich war an der Urne abzustimmen. Die Möglichkeit per Post abzustimmen wurde aber erst 1994 für alle Bürger möglich. Und sie war sofort ein grosser Erfolg. Bereits vier Jahre nach der Einführung gingen 44% der Stimmen auf diesem Weg ein. Die Leute schätzten die neue Bequemlichkeit und akzeptierten einen weiteren grossen Schritt weg von der Öffentlichkeit ins Private (Gasser 2010, S.72-75).

Bei all diesen Neuerungen der Wahltechnik mussten grosse Vorbehalte überwunden werden. Bereits 1936 und 1947 wurden Versuche die briefliche Stimmabgabe zu ermöglichen vom Parlament abgeschmettert, da man Manipulationen befürchtete. Die Transparenz der Landsgemeinde oder auch später an der Urne waren wichtige Mechanismen der sozialen Kontrolle und gegen Wahlbetrug (op cit.). Die Argumente sind heute ähnlich. Fehlende Transparenz oder der Grad der Privatsphäre kommen auch bei Diskussionen für oder gegen eVoting wieder auf den Tisch.

So bedeutet eVoting nun einen weiteren Schritt weg von der Öffentlichkeit, hin zur totalen Privatsphäre in der politischen Meinungsäusserung. Die Transparenz nimmt weiter ab. Nicht zuletzt deshalb ist das Vertrauen der Politik und der Bevölkerung in die neuen Systeme zentral. Auf dem Weg zur Akzeptanz von eVoting müssen wir offenbar die gleichen Prozesse durchmachen, wie wir sie bereits aus der Vergangenheit (Landsgemeinde, Urne im Stimmlokal, Briefwahl) kennen.

Sicherlich befinden wir uns mit eVoting noch einmal auf einer anderen Ebene. Neu hinzu kommen Aspekte der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), welche die Erfüllung der Anforderungen um ein Vielfaches komplexer machen. Die Angst vor unsicheren Systemen und Datenmanipulation ist durchaus berechtigt. Es ist deshalb wichtig, dass die vorhandenen Probleme ernst genommen und Lösungen dafür gesucht werden. So entwickeln sich die technischen Möglichkeiten rasant und die Systeme werden immer besser. Die Autorinnen dieses Blogs sind überzeugt, dass die Schweizer früher oder später ihre Stimmen elektronisch abgeben werden – und dies unter Einhaltung der eingangs erwähnten Grundprinzipien für Wahlen und Abstimmungen. Dies wird nicht heute oder morgen der Fall sein, denn der Prozess hin zur Etablierung und Akzeptanz benötigt seine Zeit. Doch dies ist ja, wie wir nun wissen, nichts Neues!